Den Tag vor genau einem Jahr habe ich in München verbracht. Würde ich es genau nehmen, bestand der Tag größtenteils aus Autofahrten, Graz-München, München-Graz, ich war also nirgends wirklich lange, außer eben am Beifahrersitz. Aber die fünf, sechs Stunden zwischen der Fahrerei gehörten wirklich ganz der Isar-Metropole. (Ich frage mich gerade, Isar-Metropole – ist das eigentlich das deutsche Pendant zu Mur-Metropole?)
Und ich kann mich noch erinnern – sowieso könnte ich den sechsten Dezember Zweitausendundneun absolut detailgetreu nacherzählen, man weiß warum –dass ich mich die ganze Zeit gefragt habe, wie es sein wird, wenn ich hier richtig lebe und arbeite. Zum einen weil wir am besagten Tag geschätzte fünfhundert Nahtoderfahrungen machen durften, die bayrischen Radfahrer halt. Ich war etwas besorgt, wie mein makelloses Aussehen mein Exil hier verkraften würde. (Ganz gut. Bin jetzt selbst einer der rücksichtslosen Biker und fahre täglich eine Gruppe Kindergartenkinder über den Haufen.) Zum anderen weil ich Organisationsfreak schon seit hundert Jahren wusste, Praktikumszeit ist Münchenzeit. Und zum noch anderen bin ich grundsätzlich sehr neugierig, bewegt sich aber alles im Rahmen eine Klatschjournalisten, würde ich meinen. Auf alle Fälle habe ich beim Spazieren durch die Stadt Szenarien durchgedacht, wie sich mein Leben innerhalb der paar Monate verändern wird. Oh Mann. Viel falscher hätte ich fast nicht liegen können. Nicht weil sich an den großen Dingen so viel geändert hätte, gleiche Wohnung, gleiche Freunde, alles da, es waren die mittleren Sachen, die jetzt anders sind, neue Gewohnheiten und so. Mit doch einer riesigen Ausnahme. Vor genau einem Jahr sind wir durch den Weihnachtsmarkt spaziert und haben Pläne geschmiedet. Jetzt klettere ich alleine durch die Masse und habe keine vernünftigen Zukunftsideen mehr.