Manche Tage vergehen zurzeit so rasch, dass ich ständig Mittwoch und Donnerstag verwechsle, am Freitag denke, es ist Dienstag und nur die Montage machen sich weiterhin deutlich bemerkbar, weil sie halt einfach nicht unnervig sein können. Besonders wenn die Wochenenden gemütlich sind und voller schöner Dinge. Was mich dann aber wirklich schockiert hat im Bezug auf die Schnelle, mit der die Zeit plötzlich wirklich vergeht, also wirklich wirklich, war der Gedanke an das, was vor einem Jahr passiert ist und wie viel dazwischen stattgefunden hat.

calender art

(via)

In knapp zwölf Monaten kann man in drei verschiedenen Ländern leben; sich in drei Städten, die sich zum Teil stark ähneln, dann wieder völlig unterschiedlich sind, zuhause fühlen. Am Meer stehen und nicht genug vom salzigen Geruch in der Nase kriegen. Wenige Monate später die Farben an der Isar zu bezaubernd finden, um wegzusehen. Man kann ohne Vorwarnung Menschen für immer verlieren und nicht da sein, weil die Natur ihren Lauf nimmt, unabhängig davon, wo man gerade wohnt. Dafür kann man aber auch tiefe Freundschaften aufbauen, die mithilfe von seitenlangen, trilingualen Mails quer durch Europa bestehen bleiben. Oder Freundschaften vertiefen, wo vorher nur seichtes, fast belangloses Geplaudere möglich war. Ein Jahr reicht auch aus, um in der Not einen Job anzunehmen, der einem perfekt vor Augen führt, wie falsch es gewesen wäre, einen Beruf im Verkauf zu lernen. Und es reicht dazu, eine Stelle anzutreten, die die echte Berufswahl bestätigt. Wo wir gerade dabei sind: Im angesprochenen Zeitraum kann man das Schreiben abgrundtief hassen, Wochen später furchtbar nervös werden, wenn man nicht mindestens zwei Seiten pro Tag vollkritzelt. Man kann Phasen haben, in denen man sich sicher ist, endlich erwachsen zu sein. In denen man dann gleichzeitig auch unheimlich vernünftig ist und ganz viele richtige Entscheidungen trifft. Außerdem kann man lernen, muss man lernen, die zwar einzig richtige Entscheidung zu treffen, dabei aber auch zu wissen, dass sie negative Auswirkungen auf bestimmte Lebensbereiche haben wird. Zwölf Monate sind auch genug Zeit für eine Liebesgeschichte mit Anfang und Ende; um sich jemandem so verbunden zu fühlen, dass das Entlieben eine einzige Tortur wird, und man froh ist, dass nur die beste Freundin einen in diesem Stadion des Elends sieht. Innerhalb eines Jahres kann die beste Freundin die beste Freundin bleiben. Oder eine noch bessere Freundin werden. Sachen können abgehakt werden, von Dingen kann man sich lösen, sie verfolgen einen trotzdem weiter. Und all diese Wochen können eben so schnell vergehen, dass auf einmal der Moment da ist, an den man davor nicht gedacht hat, oder den man wie ich schlichtweg als harmlos abgetan hat: Wie geht es jetzt eigentlich weiter?

Das war jetzt übrigens mein Jahresrückblick. Im Dezember kommt dann nichts mehr.