Ich bin verwundert. Ich dachte immer, Männer fänden es ultrascharf, wenn sich ein Mädchen beim gemeinsamen Abendessen Pizza ins Mündlein stopft, sich mit Kebabsauce vollkleckert, oder das blutige Steak auf dem Teller schneller verschlingt als ihr Freund. Im Ernst. Für mich sind das – also bis auf die Anpatzgeschichte, Wäsche waschen ist nämlich furchtbar – Inbegriffe weiblicher Coolness. Burger am Heimweg, Schokolade und Chips zum Frühstück.

Kollegin, eigentlich Nahrungsexpertin, Jana Rückert-John schreibt aber, dass das so nicht stimmt. Von Frauen wird erwartet, dass wir uns essenstechnisch zurückhalten und männliche Begleiter würde ein ausgeprägtes Hungergefühl bei uns Mädchen eher verwirren als begeistern.

girl eating burger collage

(girl, fries)

Gut, die Frau hat Studien darüber gemacht, kennt sich, das ist anzunehmen, etwas besser in dieser Problematik aus als ich graue Maus, trotzdem bin ich der festen Überzeugung, dass nur 50g-Grünzeug-essende Frauen auch suspekt sind, wahrscheinlich fallen sie sogar mehr auf. Und ich kann aus eigener Erfahrung mitteilen, man fühlt sich ganz und gar nicht gut, wenn man im Restaurant immer nur mit einem Salatteller angekrochen kommt. Im Gegenteil: Nach dem dritten Mal Kantine war mir mein Essenstablett sogar schon furchtbar peinlich. Ja, von unglaublicher Coolness und Kalorienabgebrühtheit bin ich mittlerweile meilenweit entfernt und denke schmachtend, mit Tränen in den Augen an eine unbeschwertere Zeit vor einem Jahr zurück.

Wie mir Rückert-Johns Idee dann doch noch einleuchtend erscheint, in Kombination mit meiner: Männer hätten gern Burger-Bräute, wissen aber, mit Salat bleibt die Schöne länger schön.