my shoes in front of the leavily isar

Mein dieses mal mittelmäßig beladener Koffer – ich habe es in der Tat zu Wege gebracht, die Mehrheit meiner Anziehsachen im Grazer Kleiderschrank einstauben zu lassen, sogar ganz ohne einen Nervenzusammenbruch – und ich sind gerade einmal vor sieben Tagen aufgebrochen, um gemeinsam in München abzuhängen. Gefühlsmäßig lebe ich aber schon Wochen, ach was, Monate hier; die resche Brezn in der einen, das zünftige Weißbier in der anderen Hand, Beine in der Lederhose. Also wenn ich nicht gerade im P1 auf Bayernspielerjagd bin, aufgebrezelt in Louis Vitton und einen 30-Euro-Cocktail nippend. Weil das lernt man hier ganz schnell, dass Schick-Sein zu den Lieblingsbeschäftigungen der bayrischen Hauptstädter gehört. Nichtsdestotrotz mag ich meine neuen Landsleute eigentlich gut leiden. In Echt treibe ich mich ja eher in den ärmeren Schichten, Glockenbachhipsters, rum. Noch. Man kann nämlich durchaus damit rechnen, mich demnächst in den Millionärslisten zu finden. Nachdem ich meinen ersten NEON-Arbeitstag beeindruckend erfolgreich hinter mich gebracht und jeden der lieben Kollegen davon überzeugt habe, dass sie mit mir eine harmlose Steirerin bei sich aufnehmen, wird der Rest meines Plans – die Akquisition des gesamten Magazins innerhalb der nächsten Woche – wohl problemlos über die Bühne gehen. Außer natürlich ich lasse mich vom Ausblick meines Büros ablenken, oder dem Anblick meines Namens auf der Redakteursliste. Oder davon, in Kürze an dieser Stelle sämtliche Beweisfotos zu all dem Gesagten folgen zu lassen. Es sollen schon ganz andere Geschäftsleute viel größere Startschwierigkeiten überwunden haben.