SO NOT BERLIN

Ganz langsam – Schneckentempo nichts dagegen, wenn ihr so wollt – beginne ich daran zu glauben, dass ich gerade unheimliches Glück habe. Unheimlich nämlich wirklich. Im Grunde gehöre ich ja zu den armen Gestalten, die von einer bescheuerten Situation in die nächste stolpern und davon ausgehen können, sich ständig irgendwo den Kopf zu stoßen, auf Konzerten immer hinter den drei-Meter-Riesen zu landen und Anschlussflüge um geschätzte vier Sekunden zu verpassen. Aber jetzt. Ich sahne täglich meine drei bis fünf Umarmungen ab, lebe in einer Villa, zentralst, und gehöre mit meinem pinken Kinderfahrrad schon nach zwei Tagen zu den hippsten Kids hier in München. Nur winzige Kleinigkeiten laufen nicht perfekt. Das Notizbuch der Notizbücher lässt sich bisher noch immer nicht finden. Der Wind fegt mir um die Ohren und hilft bei der Überwindung meiner noch andauernden Erkältung eher nicht. Mein erster Arbeitstag steht noch bevor und macht mich ganz hippelig und wuschig. Aber wie gesagt. Minimale Dinge, die hier an der Großartigkeit der Tage nichts negativ verändern können. Wie auch. Wenn ich nur zweimal um eine Ecke biegen muss, um Focaccio Salsiccia (Salsiccia-Wurst scharf angebraten mit Zwiebeln, Sardellen, Kapern, Zucchini und Kartoffelspalten auf Salat mit Peperoni und Oliven, dazu Cranberryvinaigrette und Parmesan) in mich reinzuschaufeln, während ich parallel dazu Weißbier schlürfe.