Ein bisschen fühlt es sich so an, als ob ich wieder flüchten würde. Nach Oslo hat mich mein Studium getrieben, eher die Einrichtung, die es mir bereitstellt. Dieser wollte ich samt deren Inhalt aus dem Weg gehen. Und mein bis dahin ewig gleicher Alltag, so ist es mir zumindest vorgekommen. Und Abstand von gewissen Menschen würde mir guttun, war ich mir damals auch sicher. Also habe ich einen viel zu schweren Koffer hinter mir hergezogen und Graz für eine Weile verlassen. Was danach folgte waren Monate ohne Plan, voller Spontanität und mit einem fast schon unheimlichen Tagesrhythmus. Ich hatte keinerlei Verpflichtungen. Bindungen zu neuen Menschen konnte ich im Vorhinein einschätzen, weil ich sie nur auf eine gewisse Dauerhaftigkeit zu betrachten hatte, mit einigen Ausnahmen. Dass sich mein geliebtes Graz nach der reinsten Freiheit im Vergleich furchtbar behördenlastig, bürokratisch, anstrengend und nicht ganz so romantisch wie in Gedanken präsentiert, lässt sich wohl nicht vermeiden. Und eigentlich kann mein Umzug nach München auch keine wirkliche Flucht sein, weil ich ihn schon vor mehr als einem Jahr in den Kalender notiert habe, aber es fühlt sich eben so an. Weil wenn ich mich in zwanzig Tagen in den Zug in die bayrische Hauptstadt setze, ruft mich kein unsympathischer Mitarbeiter der Hausverwaltung an, keine Filialleiter, die mir ungünstige Dienstpläne durchgeben. Ich kann Freundschaftsschwierigkeiten vergessen, sämtliche eingebildete Probleme zu den Akten legen. Anders gesagt. Wenn ich mich bald in den Zug nach München setze, wartet ein umwerfender Job bei der hinreißenden NEON auf mich. Es warten netteliebetolle Menschen, eine bezaubernde Wohnung, Konzerte, Bier. Vor allem so viel Neues. Und wieder einmal die Möglichkeit, mir das Leben neu einzurichten und zu gestalten und eine eklig zufriedene, grinsende Person zu werden. Haha.