Dieser Sommer ist. Halt. Dieser Sommer war seltsam. –
Übrigens: Hallo Herbst; hoffentlich.
Ich bin zum Frühaufsteher mutiert (WAS) und habe mich nur zu wenigen Dingen aufgerafft, die ich mir damals in Oslo so wunderbar ausgemalt hatte. Stunden in Cafés, mit guten Freunden und gutem Kuchen. Wilde, durchzechte, vor allem unzählige Nächte in Grazer Lieblingsbars. Aus Stunden wurden Minuten, aus der Kombination Freunde und Kuchen wurde letzteres ersatzlos gestrichen, ersteres viel zu selten getroffen. Wild und durchzecht hält sich noch immer in Grenzen und die Lieblingsbars haben plötzlich Glaswände (ohne Sinn und Zweck) und unheimlich nervige Besucher. So.

Aber es macht schließlich auch Spaß, die eigene Seele tagtäglich an eine womöglich nicht zu hundert Prozent korrekte Firma zu verkaufen. Und sich von betrunkenen Kunden anpöbeln zu lassen. Hunderte von Kilometern auf dem Fahrrad zu verbringen, natürlich unabhängig von der jeweiligen Witterung, um in immer wieder neue Filialen zu gelangen und neue Seltsamheiten zu erleben. Seltsam ist in diesem Fall ausnahmsweise mit negativer Bedeutung zu versehen; vielen Dank. Nein. Es bereitet mir nicht sehr viel Vergnügen. Aber ich tröste mich mit dem Gedanken an meinen Stundenlohn, wenn mir erneut eine Mundgeruchswelle bestehend aus Wodka+vergammeltem Fleisch+seit Jahren ungeputzten Zähnen entgegenschwappt. Und daran, dass ich um einige Erfahrungen und Buchhaltungsgeschicke reicher bin.


Seltsamer Sommer Collage

Photos: Inception, Calculator, blank pages, Coffee.


Der Einzug eines geregelten und kräfteraubenden Arbeitslebens sowie meine daraus resultierende nun noch rasander wachsende Misanthropie waren im Übrigen auch zwei der Hauptfaktoren für diese beschämende Blogleere. Selten war ich dermaßen unmotiviert, zugleich uninspiriert und gleichgültig. Man gelobt Besserung und spürt sie bereits.
Welch ein Glück muss ich auch nur mehr einen knappen Monat in der Verkaufshölle überstehen. Dann folge ich endlich, endlich wieder meiner wahren Berufung (Topmodel) in einer neuen Stadt und stolpere daher wohl in einen um nichts weniger seltsamen Herbst. Nur dann ist seltsam höchstwahrscheinlich gut konnotiert. Weil ich schreiben darf und auf nette Menschen treffen, die allgegenwärtige Genervtheit mit etwas Glück zurückgeht und ich endlich wieder meinen Norwegerpullover überziehen kann.