Um etwa halb fünf Uhr früh kann ich mich mir hier mittlerweile den Griff zum Lichtschalter ersparen. Und bis etwa halb elf Uhr nachts dringt auch genug Tageslicht in mein Zimmer, um die Glühbirnen zu schonen. Schade nur, dass man Oslos wilde Sonnenstundenanzahl noch nicht so richtig nutzen kann; weil entweder plötzlich ein Mai-Schneesturm über die Stadt hinwegfegt (letzter Montag, der vor gestern), sich ständig dunkle Wolken am Himmel sammeln (die letzten Tage), es abwechselnd kurz regnet, oder man vom Wind davongetragen wird. Kein Wunder wenn man da etwas zu kränkeln beginnt. Aber ein kurzer Blick auf die Wetterkarte zeigt für Graz auch kein wirklich besseres Grillwetter; zwar mindestens zehn Grad mehr, aber mindestens genau so viele Regenwolken.

Was insofern gut ist, weil ich, sollten die Temperaturen in der Heimat bei etwa plus zwanzig Grad bleiben, die Ankunft in einem Monat einigermaßen unbeschadet überstehen könnte, ganz ohne Hitzeschlag nämlich. Und ohne seelischen Schaden, hoffentlich. Denn anders als erwartet, überwiegen noch immer die Dinge, die ich in Graz zurückbekomme, die Dinge, die ich hier zurücklassen muss. Weise Freunde, die ebenfalls irgendwann für einige Monate weg waren, haben mich aber ohnehin schon längst eines Besseren belehrt; nach meinem norwegischen Alltag und seinen Besonderheiten sehne ich mich erst dann so richtig, wenn ich etwa eine Woche nach Rückkehr aufwache und bemerke, dass der für immer weg ist.

Ist das Leben nicht ein einziger Teufelskreis?

Tøyen Window
(Oslo, 11. Mai, 20 Uhr)