Vor nicht allzu langer Zeit, das war damals, als ich mein Leben noch zur Gänze im Grazer Eggenberg verbracht habe, weil es sich bei meinen Stundenplänen nicht ausgezahlt hätte, mal schnell heimzuradeln, verriet einer meiner Professoren uns das Geheimnis seines Erfolgs als PR-Agentur-Chef. Positives Denken. Aha. Zugegeben, er besitzt ein Flugzeug, wahrscheinlich ein teures Haus, mag seinen Beruf und kauft sich Freunde, wenn er sie braucht. Und ja, ich habe weder ein Flugzeug, mir gehört nicht einmal ein Zimmer, Beruf habe ich auch keinen und könnte ich mir Menschen kaufen, würde Chace Crawford mir gerade etwas Italienisches kochen. Aber Erfolg von positivem Denken abhängig zu machen, erscheint mir nach wie vor lächerlich. Andererseits denke ich nur in negativen Ausmaßen und schaffe es viel zu oft, Dinge komplett daneben gehen zu lassen. Trotzdem teile ich Menschen lieber in zwei andere Kategorien ein; die, die Glück haben und eben die anderen.
Es ist nämlich ohnehin ein Teufelskreis, dieses positive Denken, wenn man nicht damit aufgewachsen ist. Aus Erfahrung geht man davon aus, dass etwas nicht hinhaut, es haut nicht hin, man wusste es immer, negativ, negativ, negativ.
Auf meinem Prüfungsbogen wurde letztendlich trotzdem jede zweite Frage mit „Um das selbstgesteckte Ziel zu erreichen, sollte hier natürlich auch besonderer Wert auf positives Denken gelegt werden!“ beantwortet. Den von Glück verfolgten Menschen kann man nämlich erzählen, was man will, vom Bösen auf der Welt und ähnlichem, die hören einem sowieso nie zu.

pechmarie
(via)