Gott weiß, ich habe Oslo ins Herz geschlossen. Auf eine richtig kitschige Weise. Auf dem Kitsch-Niveau des ersten Satzes nämlich. Nach zwei Monaten habe ich diesen angehmen Überblick über die Stadt, kenne aber noch lange nicht jede kleine Ecke und bin deshalb bei sonntäglichen Spaziergängen immer furchtbar entzückt, was es so alles zu sehen gibt. Außerdem liebe ich es, in eine beliebige Straße einzubiegen, plötzlich am Meer zu stehen und nichts als Wasser und unendliche Weite zu sehen, während der Wind mir um die Ohren bläst. Oder einen niedlichen Laden voll toller Sachen zu entdecken, die es in Graz nicht gibt. Oder mir in einem der tausend Kaffeehäuschen den Bauch gratis mit Unmengen an Sirup und Schokosauce vollzustopfen, anschließend die vielen Cremetörtchen und Vanillezimtschnecken anzustarren. Zudem war Oslo damals, als es noch ganz in Weiß gekleidet war, richtig hübsch und soweit ich das im Laufe der ersten Plusgrade hier beurteilen kann, wird es sich im Frühling/Sommer auch hervorragend machen. Vor allem weil wir schon alle mit unseren Decken und Einweggrillern bereitstehen, um die unzähligen Parks für faule Nachmittage in der Sonne zu stürmen.

Norwegian Landscape 1

Aber es geht noch kitschiger. Nämlich jedes Mal dann, wenn ich mich in einen Zug durch norwegisches Hinterland setze und mit offenem Mund die Berge und Seen und Wälder und Schneestürme bestaune. Was mich im Übrigen bestimmt sehr unerotisch aussehen lässt, aber das ist eine andere Geschichte.
Die Fahrt nach Kvitfjell ist so ein Beispiel für landschaftliche Bewunderung; entlang von großen, großen Gewässern und vorbei an mindestens drei Metern Schnee, welcher alles unter und in sich begräbt. Was ich mich da immer frage: Die Menschen, die offensichtlich in den bezaubernden und zugeschneiten Häuschen am Land leben, weil es aus ihnen – also den Holzhütten – raucht, wie schaffen die es im Winter nach draußen? Und wie zurück in die Wohnung? Durch den Schornstein? Zum nächsten Supermarkt fahren sie auf alle Fälle auf zugefrorenen Seen, im Ernst. Sobald es kalt genug ist, legen die Behörden beziehungsweise die Verantwortlichen der jeweiligen Stadt/Gemeinde befahrbare Wege auf dem Eis an. Ganz legal. Auch ich war verwundert, als ich eben solche Begebenheit auf der Busfahrt von Kvitfjell nach Lillehammer gesehen habe. Eine Fahrt, die ich im Übrigen empfehlen möchte. Sie fühlt sich an wie ein Schulausflug in der Unterstufe: Ein alter, knarzender Bus, lärmende Buben und kichernde Mädchen sowie viel zu enge, viel zu eisige Kurven, möchte man denken. Eine Zeitreise um nur 50 Kronen. Oder gratis, wenn man es so wie ich schafft, Mitleid beim Busfahrer zu erzeugen.

Norwegian Landscape 2