Vorurteile sind etwas Schreckliches, wenn man genauer darüber nachdenkt. Leider habe ich viele davon, viel zu viele, mein zweiter Vorname sollte Vorurteil sein. Ich kann mir meine (schlechten) Meinungen über Menschen, die ich zum ersten Mal in meinem Leben sehe, aber auch nicht abgewöhnen. Andere kauen eben auf ihren Fingernägeln, jeder hat Laster. Und abgesehen davon, dass Vorurteile ja auch ab und zu Spaß machen – Nicht alle Österreicher wohnen in einer Almhütte, heißen Rosi und melken morgens ihre Kühe, um daraus Käse oder Wiener Schnitzel zu machen. Trotzdem finde ich die Vorstellung, dass ein dummer Amerikaner das wirklich denkt, toll. – habe ich mit meiner Voreingenommenheit immer Recht.

Die Mädchen, denen ein ganzer Kosmetikartikelladen im Gesicht klebt, die Glitzertops mit Schriftzügen wie „Sexy Angel“ zu durchsichtig weißen Miniminiröcken tragen und die Bier nur kennen, weil es auf der Getränkekarte über den Cocktails steht, hatten noch nie dieselben Interessen wie ich und werden sie auch nie haben. Aber auch jemand in einem Red-Hot-Chili-Peppers-Shirt wird es schwer haben, mich von sich als nette Person mit normal gutem Musikgeschmack zu überzeugen. Eine andere Person, die gerade im Ultimate Hitchhiker’s Guide to the Galaxy liest, kann hingegen fast nichts mehr falsch machen.

So ein bisschen spielt hier wohl auch Erfahrung eine Rolle. Und die Tatsache, dass Gemeinsamkeiten letztendlich die Essenz einer Freundschaft sind. Weil es im Endeffekt überhaupt keine Rolle spielt, ob man sich körperlich anziehend findet, oder sich einfach nur gut versteht. Dauerhafte Beziehungen zu Menschen sind nur dann möglich, wenn es einen Konsens über die für die Personen wichtigsten Dinge des Lebens gibt.
An solche Sachen werde ich in den letzten Wochen ständig erinnert, weil ich mich in Oslo seit langer Zeit wieder ernsthaft damit beschäftigen muss, neue Leute kennenzulernen. Zuhause passiert so etwas, oder es passiert nicht. Was im Grunde keinen allzu großen Unterschied macht, weil man seine paar Freunde ohnehin um sich hat.
Und hier gibt es eben diesen riesigen Haufen an mir noch fremden Gesichtern, aus dem ich versuche, diejenigen Exemplare zu picken, mit denen ich keinen zähen Smalltalk zu führen brauche, in deren Gegenwart ich weder allzu verlegen noch unsicher bin. Schwierig. Glücklicherweise kann ich aber eine relativ große Anzahl von Personen von vornherein ausschließen; Vorurteile halt.


Im Übrigen: Für all jene, an denen es bisher vorbeigegangen ist, Trollmädel heißt der auffallend schicke und spannende Blog meiner Freudensgenossin jo.ko und mir, live aus dem Land der Elche (auch bekannt als Norwegen), gefüllt mit unglaublich gut formulierten Geschichten und schönen Bildern.