Etwas, das mir viel zu oft passiert: Ich blättere nichtsahnend durch ein mir sympathisches Magazin und plötzlich springt mir ein Haufen unansehliches Fett entgegen. Meistens gekleidet in viel zu grellen Farben und in Muster, die einen Würgereiz und partielle Blindheit auslösen.

Können Journalisten und andere Menschen bitte aufhören, Beth Ditto als Stilikone zu bezeichnen, sie für ihre tausend Kilo zu loben und davon zu sprechen, wie wichtig ihre gruselige Erscheinung für – wie einfallsreich – die Frauenbewegung und -befreiung ist. Bitte. Und kann Beth Ditto das Monster aufhören, Kapital aus ihrer Fettheit zu schlagen. Weil natürlich hat sie eine Nische besetzt, in der im Übrigen niemand anders jemals mehr Platz haben wird – sonst gibt es tatsächlich nur einigermaßen gutaussehende und schlanke Musikerinnen, hat auch einen Grund – und natürlich weiß sie das, so klug schätze ich sie durchaus ein. Generell ist sie durch die Ausschlachtung ihres Gewichts auf einer Stufe mit den Schlankheitswahnsinnigen zu sehen, die ihre Knochenparade genauso bewerben. Leider vergessen das sehr viele Menschen sehr oft.

Natürlich muss man über Beth Dittos Gewicht sprechen, das sehe ich ein. Man kommt da nicht drum herum, im wahrsten Sinne des Wortes. Ihr Gewicht ist einfach nicht normal, egal was die Gossip-Sängerin in den hunderten Interviews mit Frauenzeitschriften zu Protokoll gibt. Genauso wie die fehlenden Kilos einiger Models gehört Ditto zu den Extrembeispielen. Und Extreme sind nur selten als vorbildhaft zu betrachten. Wer also gegen Magermodels protestiert, die aufgrund ihrer Nahrungsverweigerung gefährdet sind, bald das Zeitliche zu segnen, sollte sich überlegen, wie gefährlich der Lebensstil der Beth Ditto ist und ob verstopfte Arterien wirklich der neue Trend sein sollen.

bethdicko